hankythewanky:

Zur Rekonstruktion des Denkens
Vortrag und Diskussion mit Rainer Bakonyi (Würzburg)
Datum: 29.06.2012
Beginn: 20 Uhr
Ort: Kellerperle, Am Studentenhaus 1, 97072 Würzburg
Eintritt frei! Kritik als die theoretische Vorwegnahme der Beseitigung von Herrschaft bedarf als ihrer Voraussetzung der Fähigkeit zur Erkenntnis und des Willens zum Urteil – beides Eigenschaften des Individuums, die schon lange außer Wert gesetzt sind und seit dem Siegeszug der Postmoderne als geradezu verächtlich abgetan werden. Es drängt sich die Frage auf nach der Natur der konstitutiven gesellschaftlichen Bedingungen, welche die elementaren Voraussetzungen ihrer Beseitigung objektiv verschwinden lassen, wie auch nach der Verfasstheit der Subjekte, die freudig wollend etwas derart exotisches wie Objektivität fortstoßen und die Notwendigkeit Urteile zu fällen als zu überwindende Zumutung entrüstet von sich weisen. Kurzum soll der Möglichkeit von Kritik im Stande der allgemeinen Unfreiheit nachgegangen werden.
http://aggkwue.wordpress.com/

hankythewanky:

Zur Rekonstruktion des Denkens

Vortrag und Diskussion mit Rainer Bakonyi (Würzburg)

Datum: 29.06.2012

Beginn: 20 Uhr

Ort: Kellerperle, Am Studentenhaus 1, 97072 Würzburg

Eintritt frei!
Kritik als die theoretische Vorwegnahme der Beseitigung von Herrschaft bedarf als ihrer Voraussetzung der Fähigkeit zur Erkenntnis und des Willens zum Urteil – beides Eigenschaften des Individuums, die schon lange außer Wert gesetzt sind und seit dem Siegeszug der Postmoderne als geradezu verächtlich abgetan werden. Es drängt sich die Frage auf nach der Natur der konstitutiven gesellschaftlichen Bedingungen, welche die elementaren Voraussetzungen ihrer Beseitigung objektiv verschwinden lassen, wie auch nach der Verfasstheit der Subjekte, die freudig wollend etwas derart exotisches wie Objektivität fortstoßen und die Notwendigkeit Urteile zu fällen als zu überwindende Zumutung entrüstet von sich weisen. Kurzum soll der Möglichkeit von Kritik im Stande der allgemeinen Unfreiheit nachgegangen werden.

http://aggkwue.wordpress.com/

Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es ‘so weiter’ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende sondern das jeweils Gegebene. So Strindberg - in ‘Nach Damaskus’? -: die Hölle ist nichts, was uns bevorstünde - sondern dieses Leben hier. — Walter Benjamin - Das Passagen-Werk [N 9a, I], GS S. 590
Unter emotionaler Anstrengung sollte nicht identifikatorisches Verhalten mit Tätern oder Opfern verstanden werden. Es gehört zum psychologistischen Mißbrauch der Psychoanalyse, unter der auf psychotherapeutische Zwecke gemünzten Devise „Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten“ das nationalsozialistische Verbrechen zu verarbeiten, als ob das Individuum allein Auschwitz als Teil seiner Lebensgeschichte fassen könnte. Aus dieser Praxis folgt notwendig ein sentimentales Verhältnis zum Verbrechen, das einerseits das reale Geschehen verniedlicht und andererseits dem Individuum angesichts des millionenfachen Mordes Souveränität suggeriert, die nur falsch sein kann. Einfühlung und Empathie haben notwendig an Auschwitz ihre Grenzen, und das Bewußtsein der Nachgeborenen schärft sich nur im Wissen vom Unterschied, nicht im identifikatorischen Gleichheitsgefühl, das Opfer, Täter und Nachkommen nebeneinander stellt. — Detlev Claussen – Grenzen der Aufklärung. Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus (via junesixon)

(via noxe)

Weil [Carl] Schmitt Souveränität unauflösbar an das Gewaltmonopol koppelt, ist er der liberalen Staatstheorie ein wenig peinlich. Schmitt erinnert – freilich affirmativ – mit einer Hartnäckigkeit daran, daß der Staat Herrschaft und keine Institution zur Beglückung der Menschheit ist, daß all jene, die meinen, die Gewalt sei durch Verfassung, Parlament und Rechtsstaatlichkeit ge- oder sogar verbannt, Schmitts Erkenntnisse entweder verdrängen oder moralisch verdammen müssen. Kritische Theorie geht einer alten Weisheit zufolge vom Schlimmsten aus. Materialistische Staatskritik orientiert sich deshalb an Schmitts Staatsbegriff, weil in diesem in aller Konsequenz das Wesen bürgerlicher Souveränität ausgesprochen wird – nämlich ihr eigenes Umschlagen in ein Subjekt der Vernichtung. Die Differenz festzuhalten, daß die bürgerliche Demokratie kein solches Subjekt ist, es aber trotzdem im Keim in sich trägt, ist nicht zu verwechseln mit einem abstrakten Dualismus, dem in der Unterscheidung von Demokratie und Staat der Vernichtung jeglicher Zusammenhang verloren geht. Der bundesrepublikanische Gründungsmythos, die Weimarer Verfassung sei nicht ‘wehrhaft‘ genug gewesen, ist dann die folgerichtige Erklärung für den Sieg des Nationalsozialismus. Die gezähmte Demokratie, also die durch Gewaltenteilung domestizierte “Volkssouveränität”, wird dann zum Garanten einer Verhinderung neuer Willkürherrschaft. Die Einheit von Staat, Volk und Kapital, die sich in der Krise Bahn bricht und in der Vernichtung realisiert, kann vor diesem Hintergrund nicht begriffen werden. — Jan Huiskens, Frank und Frei, >. (via noxe)

(via noxe)

Mit der Sehnsucht von immer
und der Angst
von heute.
— Hilde Domin, Abfahrt aus Spanien  (via eigentlichkeiten)
Kritik als Krise muss darauf zielen, die Vermittlung von Sein und Bewusstsein nach besten Kräften zu blockieren und die nahtlose Übersetzung der Gebote des produktiven Apparats in die Zwecke des menschlichens Bewusstseins zu behindern. Kritik als Krise heißt, die Einsicht in die kapitalistische Vergesellschaftung und die materialistische Erklärung der Verhältnisse unmittelbar als die Denunziation des erkennenden Individuums zu organisieren. Die Kritik, angeleitet vom Wissen darum, dass es einmal anders hätte werden können, hat, orientiert an der Erinnerung und dem Eingedenken vergangener Möglichkeit der Emanzipation, ihre geballte Traurigkeit zu wenden gegen die als Subjekte nur fingierten Individuen. Auszugehen ist vom Diktum Theodor W. Adornos, zumeist sei es eine Unverschämtheit, wenn Menschen sich erdreisteten „Ich“ zu sagen. Die Menschen sind zu befragen, ob sie auch im Moment ihrer durch Kritik ermöglichten Distanz vom produktiven Zwangsautomatismus und im Augenblick der Durchsichtigkeit ihrer Subjektivität als sozialer Halluzination bereit sind, negative Vergesellschaftung als ihre gewolltermaßen eigene sich zuzurechnen. Kritik, die zur Krise der falschen und unheimlichen Intimität mit dem entfremdeten Alltag führt und die Zerstörung der Zutraulichkeit zur Verdinglichgung organisiert, vermag, nach dem Modell von Katharsis, einem Blick auf die Chance des Abtuns der Entfremdung durch Revolution die Bahn zu brechen. Nur durch Blockade der Vermittlung, die Einsamkeit und Spielraum schafft, vermag sie den Individuen eine Ahnung materialer Subjektivität zu geben. Es ist daher nicht ihre Aufgabe, ‘konstruktiv’ zu sein.

Initiative Sozialistisches Forum (ISF) - Die Kritik zur Krise radikalisieren

http://www.isf-freiburg.org/verlag/leseproben/isf-ende.sozialismus_lp.html
(Leider handelt es sich hier um eine gekürzte Version des Textes. Die vollständige Fassung ist enthalten in “Das Ende des Sozialismus, die Zukunft der Revolution”.)

Occupy Reason!
[…] Die Bewegung zettelt eine groteske Pseudoaktivität an, und sie macht auch gar keinen Hehl daraus, daß ihrer konformistischen Revolte subversive Reflexionen oder kritische Begriffe nur unnötiger Ballast sind. So weiß Mark Greif, eine ihrer Ikonen, dies zu berichten: “Wir alle spüren die historischen Nachwirkungen von Achtundsechzig”, denn das Erbe der Studentenbewegung sei die Warnung, daß “eine linke Bewegung nicht funktionieren” könne, wenn sie “pragmatisch und verantwortungsvoll” auftritt. Denn zu den Attributen der “68er” hätte auch eine Intransigenz gehört, ein Beharren auf der Wahrheitsfähigkeit des Denkens also, das nur zu Spaltungen führen kann. Bei “Occupy” wird derlei selig über Bord geworfen, und Greif lobt die Weigerung seiner Bewegung, “deutlich zu sein”, denn nur das habe “das Ganze passieren lassen”: “Es war strategisch eine brillante Idee: Leute, die sich sonst zerstritten hätten, kamen wunderbar miteinander aus.” Wo aus der Not eine Tugend gemacht, d.h. aus der Unfähigkeit zu denken der freiwillige Verzicht auf Reflexion gefolgert wird, kommt jedwede Gesellschaftskritik an ihr Ende. […]
— Die ISF zur Occupy-Bewegung.
http://isf-freiburg.org/isf/jourfixe/jf-2012-1_occupy.html (via kayohkayn)

(via xonethousandcriesx)

Das macht: die moralische Verurteilung der menschlichen Unkosten der Konstitution bürgerlicher Staatlichkeit allein am Beispiel Israels führt vor Augen, was die Welt der Volksstaaten vergessen machen will – daß die Zentralisation der politischen Gewalt über Leben und Tod keineswegs die natürliche Organisationsform der Gattung Mensch darstellt, sondern Ausdruck eben von Herrschaft und Ausbeutung. Dabei ist Israel – und das macht die Kritik an diesem Staat so perfide und muß deshalb immer wieder gesagt werden – der einzige Staat dieser Welt, der für sich eine nicht zu bezweifelnde Legitimität beanspruchen kann. Israel, das ist der ungleichzeitige Staat, der entstanden ist sowohl als Reaktion auf das Dementi aller Versprechungen der bürgerlichen Nationalrevolution, sowohl als Antwort auf den stalinistischen Verrat an der kommunistischen Weltrevolution als auch als zu spät gekommene Notwehr gegen den Massenmord an den europäischen Juden. http://isf-freiburg.org/isf/beitraege/isf-kommunismus.israel.html (via brainexpectingrain)
Demgegenüber ist die Aktualität des Kommunismus paradox. Die Notwendigkeit der Revolution befindet sich im umgekehrt proportionalen Verhältnis zu ihrer Möglichkeit. Der kategorische Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, ist zum bloßen Traum einer Sache geworden, die niemand mehr begreifen mag. Die Aktualität der Forderung „Jedem nach seinem Bedürfnis“ – realisierbar nur durch die Aufhebung der Lohnarbeit, durch das Recht auf Faulheit – ist im offiziellen wie alternativen Bewußtsein der Gegenwart nur ein sympathischer Anachronismus. Die bürgerliche Gesellschaft hat den Kommunismus ins Museum gestellt; der Klassenkampf ist beendet, ohne ausgekämpft zu sein, und dieses negative Ende wirkt fort in der unendlichen Geschichte von Menschenbeherrschung und Naturzerstörung. Im blinden Wahn gegen das konkrete Leben wütet die bürgerliche Gesellschaft, die sich ihrer Macht sicher ist. Aber die Aktualität des Kommunismus behauptet sich in der Wahrheit, daß es keine Ermächtigung ist, das Falsche zu tun, nur weil das Richtige nicht, noch nicht gehen mag. Der Kommunismus, daran gehindert, von der theoretischen in die praktische Kritik von Kapital und Staat umzuschlagen und die Waffe der Kritik mit der Kritik der Waffen zu vertauschen, findet seine unfreiwillige Praxis in der Denunziation des Falschen. — Initiative Sozialistisches Forum - Aktualität und Notwendigkeit des Kommunismus
http://www.isf-freiburg.org/verlag/buecher/isf-ende.sozialismus.html